
von Pascal Bernhard
Auch in Egelsbach verändert sich die Mobilität spürbar. Vielleicht fahren Sie selbst bereits ein Elektroauto – oder spielen mit dem Gedanken umzusteigen? Die Gründe dafür sind vielfältig: steigende Kraftstoffpreise, Fahrkomfort, Klimaschutz oder einfach der Wunsch, zukunftssicher unterwegs zu sein.
Aber kann E-Mobilität wirklich gelingen, wenn das Laden im Alltag vor Ort kompliziert bleibt? Genau hier kommt eine durchdachte und leistungsstarke Ladeinfrastruktur ins Spiel – ausgerichtet an den tatsächlichen Bedürfnissen der Menschen in Egelsbach.
Viele Bürgerinnen und Bürger erleben die aktuelle Situation als unbefriedigend
Besonders Mieterinnen und Mieter stehen vor ganz konkreten Fragen: Wo lade ich mein Auto, wenn ich keine eigene Wallbox installieren kann? Was passiert, wenn es im Wohnumfeld keine öffentlichen Ladesäulen gibt? Ohne wohnortnahe Angebote wird Elektromobilität schnell unpraktisch und wenig attraktiv.
Eine kluge kommunale Ladeinfrastruktur schafft hier echte Teilhabe. Sie ermöglicht auch Menschen ohne Eigenheim, ein E-Auto zuverlässig zu nutzen – unabhängig von Wohnform oder Einkommen. Ist das nicht genau die Zukunft, die wir uns für Egelsbach wünschen?
Wo stehen öffentliche Ladesäulen in Egelsbach – und wo sollten sie stehen? Und wie schnell kann ich dort laden?
Schnellladepunkte im Industriegebiet allein helfen den meisten Egelsbacherinnen und Egelsbachern im Alltag wenig, wenn sie dort nicht regelmäßig unterwegs sind. Eine bürgernahe Ladeinfrastruktur gehört dorthin, wo Menschen leben und ihre täglichen Wege haben: in Wohngebiete, ins Ortszentrum, in die Nähe von Sportstätten oder öffentlichen Einrichtungen.
Wer sein Auto laden kann, während sie oder er einen Termin wahrnimmt, das Restaurant genießt oder Sport treibt, spart Zeit und macht Elektromobilität alltagstauglich. Bürgerbüro und Rathaus, wie auch die SGE-Sportstätten und Restaurants im Zentrum sind attraktive Standorte für Ladeinfrastruktur.
Die bestehenden Ladesäulen der Stadtwerke Langen im Ortsgebiet laden mit 22 kWh sehr langsam. Das führt zur nächsten praktischen Frage: Wer möchte nach der Arbeit sein Auto dort zum Laden abstellen und dann kurz vor dem Schlafengehen noch einmal aus dem Haus müssen, nur um umzuparken und Strafgebühren zu vermeiden? Langsame Ladesäulen blockieren Stellplätze über Stunden und sorgen für Frust. Wer abends nach Hause kommt, möchte sein Auto unkompliziert und wohnortnah laden – nicht erst ins Industriegebiet fahren müssen.
Die Gemeinde hat hier mehr Einfluss, als oft angenommen wird, auch wenn sie selbst die Ladesäulen nicht betreibt
Über Konzessionen und Vergabeverfahren kann sie klare Anforderungen an Betreiber stellen – etwa zu Ladeleistung, Wartung, Nutzerfreundlichkeit und Weiterentwicklung der Technik. Hier kann Egelsbach z. B. auf Modernisierung nach festgelegten Zeiträumen und Abschaffung der Strafgebühren beim Parken über Nacht hinwirken – für mehr Bürgernutzen! Öffentliche Flächen sollten nur für zukunftsfähige Infrastruktur genutzt werden.
Eine gut geplante Ladeinfrastruktur ist auch ein Standortvorteil. Sie macht Egelsbach attraktiver für Familien, für Pendlerinnen und Pendler, für lokale Geschäfte und für Besucherinnen und Besucher. Wer weiß, dass Laden unkompliziert möglich ist, entscheidet sich eher für ein E-Auto – und damit für leisere Straßen, bessere Luft und mehr Lebensqualität im Ort. Gleichzeitig stärken Ladesäulen in Zentrumsnähe den lokalen Einzelhandel und Dienstleister wie Friseure, weil Ladezeit oft auch Aufenthaltszeit bedeutet.
Unser Anspruch als Grüne ist klar:
Elektromobilität muss in Egelsbach nicht nur möglich, sondern praktisch, gerecht und zukunftsfähig sein. Mit einer intelligent verteilten, leistungsstarken Ladeinfrastruktur schaffen wir konkrete Vorteile für die Menschen vor Ort – heute und in den kommenden Jahren. Dafür setzen wir uns in der Gemeindevertretung ein.
PS: Wer die Diskussion um E-Autos leid ist und noch 2026 die Absicht hat, lieber wieder einen Verbrenner zu kaufen, muss mit einem Wertverlust beim Wiederverkauf unabhängig vom tatsächlichen Ende der Neuzulassungen von Kraftstoffautos in der EU, ob 2030 oder 2035, rechnen. Der Markt schwenkt auf E-Mobilität um, das Tankstellennetz wird schrumpfen und nur E-Autos genießen eine Kaufprämie sowie Kfz-Steuerbefreiung bis 2035.