von Jörg Strobel
Bereits 2018, kurz nach seinem Amtsantritt, bemühte sich unser Bürgermeister in das damals beginnende Konsultationsverfahren zur Verschiebung der Abflugroute „Amtix kurz“ nach Norden aufgenommen zu werden. Schon damals wurde behauptet, dass Egelsbach von einer Verlegung der Flugroute gar nicht betroffen sei. Amtix kurz wurde im Dezember 2020 eingeführt und 7 Wochen später wegen Sicherheitsbedenken wieder eingestellt. Wer dachte, damit sei Ruhe eingekehrt, hat sich getäuscht. Die Protagonisten, die Interesse an einer Verschiebung haben, ließen nicht locker. Und so wurde die neue Flugroute wider jeden gesunden Menschenverstand am 10.7.2025 eingeführt.
Seitdem ist es in Bayerseich, aber vor allem in Erzhausen unerträglich laut.
Unmittelbar im Anschluss formierte sich großer Widerstand:
Die Bürgerinitiative „Stopp-Cindy-S“ wurde gegründet und hat mittlerweile sehr viele Mitglieder, täglich kommen neue hinzu. 2 einstimmige Anträge der Gemeindevertretung fordern die sofortige Aussetzung des Flugbetriebs auf der neuen Route. Einen ähnlichen Tenor hat ein Antrag im Kreistag des Kreises Offenbach, der ebenfalls mit großer Mehrheit verabschiedet wurde. Eine große Resonanz hatte die Bürgerversammlung am 1.10. im Eigenheim. Die einzelnen Protagonisten hatten Gelegenheit, ihre Argumente auszutauschen. Die Hauptkritikpunkte waren:
- Falsche Grundlagen: Auftriebsverlust, zusätzlicher Schub und veränderte Lärmverteilung durch Flugkurven sind nicht ausreichend berücksichtigt. Die realistische Anzahl der Betroffenen in Berechnungen fehlt oft, und Erwartung vs. tatsächliche Entlastung weichen ab. FFI 2.0 wird als zeitgemäße Bewertungsgrundlage abgelehnt; Schwellenwerte sind zu hoch und das Gesamtlärmkonzept unzureichend.
- Demokratische Fragen: Die Entscheidung ist durch die Zusammensetzung des Entscheidungsgremiums undemokratisch getroffen worden. Gebiete mit passivem Schallschutz werden entlastet, während neue hochbelastete Gebiete ohne Lärmschutz geschaffen werden.
- Zusätzliches Sicherheitsrisiko: Der Kreuzungsverkehr mit dem südlichen Gegenanflug wird nicht ausreichend berücksichtigt, Wirbelschleppen könnten den Flugplatz Egelsbach gefährden, die Route verläuft nahe eines FAIR-Teilchenbeschleunigers und führt kurz nach dem Start über Hochspannungsleitungen.
- Nicht berücksichtigte Lärmquellen: Flugplatz Egelsbach, südlicher Gegenanflug, geringerer Auftrieb und Kurven verursachen mehr Lärm am Boden; nahegelegene Bahntrassen und Autobahnen (A661, A5) verstärken die Betroffenheit.
Die anwesende Fluglärmbeauftragte des Landes Hessen, Frau Barth, konnte die Argumente nicht entkräften, zumal sie sich in ihrem Vortrag nur auf Berechnungen bezog, die mit der Realität nichts zu tun haben.
Mir ist es gegen Ende der Veranstaltung gelungen, den Vertretern des Kreises Offenbach (Landrat und Beigeordneter) ein Statement abzuringen, in Zukunft in der Fluglärmkommission eine klare Haltung gegen die neue Flugroute einzunehmen. (Der Kreis hatte sich bis dahin enthalten).
Dem Vorsitzenden der Fluglärmkommission, Paul-Gerhard Weiß, machte ich den Vorschlag, die nächste Sitzung der FLK in Egelsbach abzuhalten. Die Mitglieder sollten sich mit gesundem Menschenverstand selbst ein Bild von der Situation machen. Herr Weiß sagte die übernächste Sitzung in Egelsbach zu. Sie findet am 18.2. statt und zwar in Raunheim. Herr Weiß brach sein gegebenes Wort mit einer Email kurz vor Weihnachten.
Am Ende bleiben Fragen offen: Warum verlegt man ohne Not eine Flugroute und schafft dadurch neue hochbelastete Zonen ohne Lärmschutz? Warum bricht der Vorsitzende der FLK ohne Not sein in der Öffentlichkeit gegebenes Wort? Wessen Interessen dient er wirklich? Wer profitiert eigentlich genau davon?
Für uns GRÜNE bleibt, unabhängig davon wie die FLK entscheidet, klar: wie in der Vergangenheit, nun bei Cindy-S und auch in der Zukunft – Verhinderung von Fluglärm in Egelsbach.